BOEMM, RITTA – Gemälde 117

Sitzende Käthe-Kruse-Puppe in Tracht

Das Gemälde zeigt eine Käthe-Kruse-Puppe in seitlicher Ansicht, sitzend oder kniend auf dem Boden. Sie trägt traditionell anmutende Kleidung mit hellem Hemd, orangefarbenem Tuch, gemustertem Rock in dunklen Violett- und Rottönen sowie einem dunkelgrünen Kopftuch. Die charakteristischen hellen Stoffhände und schlichten braunen Schuhe sind gut sichtbar. Der Hintergrund ist hell und neutral gehalten und lenkt den Blick vollständig auf die Figur. Die Puppe hält den Kopf leicht gesenkt, wodurch eine stille, nachdenkliche Stimmung entsteht. Die Malweise ist locker und pastos mit sichtbaren Pinselstrukturen, was der Darstellung eine ruhige, intime Atmosphäre verleiht. Unten links ist das Bild mit „Boemm Ritta“ signiert.

  • Dimensionen des Rahmens: 33,5 x 42 cm
  • Herstellungsjahr: undatiert
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Zustand des Bildes

Keine erkennbaren Schäden

Infos zur Künstlerin

Ritta Boemm (1868–1948) war eine deutsche Malerin, deren Werk sich vor allem durch eine feinsinnige Beobachtungsgabe, handwerkliche Sorgfalt und eine stille, zurückhaltende Bildsprache auszeichnet. Sie gehört zu jener Generation von Künstlerinnen, die sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert trotz begrenzter Ausbildungs- und Ausstellungsmöglichkeiten erfolgreich eine künstlerische Laufbahn erarbeiteten.

Ritta Boemm wurde 1868 geboren und erhielt ihre künstlerische Ausbildung in Dresden, einem der bedeutendsten Kunstzentren des deutschen Kaiserreichs. Die Stadt bot mit ihren Akademien, privaten Malschulen und ihrem lebendigen kulturellen Umfeld besonders für Künstlerinnen wichtige Möglichkeiten, da der Zugang zu staatlichen Kunstakademien für Frauen lange Zeit eingeschränkt war. In Dresden entwickelte Boemm ihre solide zeichnerische Grundlage und ihre sichere malerische Technik, die ihr gesamtes späteres Werk prägen sollten.

Inhaltlich widmete sich Ritta Boemm vor allem der Blumenmalerei, dem Porträt sowie der Darstellung von Interieurs. Ihre Blumenbilder zeichnen sich durch eine große Nähe zum Motiv aus. Sie zeigen keine bloß dekorativen Arrangements, sondern wirken sorgfältig beobachtet und ruhig komponiert. Farbe und Licht werden fein nuanciert eingesetzt, ohne ins Übersteigerte zu geraten. Die Blumen erscheinen lebendig, aber nie effekthascherisch, vielmehr von einer stillen Konzentration getragen.

Auch in ihren Porträts zeigt sich Boemms Interesse am individuellen Ausdruck. Sie legte weniger Wert auf repräsentative Pose als auf Charakter und Stimmung. Ihre Bildnisse wirken oft zurückgenommen, beinahe intim, und vermitteln eine ruhige Präsenz der dargestellten Personen. Dabei verbindet sie eine sichere Zeichnung mit einer sanften Modellierung der Formen und einer harmonischen, meist gedämpften Farbpalette.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ihres Schaffens sind Interieurdarstellungen. Diese Bilder geben Einblicke in bürgerliche Wohnräume und private Lebenswelten. Möbel, Textilien und Lichtführung werden sorgfältig ausgearbeitet, ohne dass das Bild in bloße Detailfreude abgleitet. Vielmehr entsteht eine Atmosphäre von Ordnung, Ruhe und Vertrautheit. Die Interieurs wirken oft menschenleer oder zeigen Figuren nur beiläufig, wodurch der Raum selbst zum eigentlichen Träger der Stimmung wird.

Stilistisch bewegt sich Ritta Boemm im Spannungsfeld zwischen spätem Realismus und gemäßigtem Impressionismus. Sie nahm zeitgenössische Strömungen auf, ohne sich radikal von der gegenständlichen Tradition zu lösen. Ihr Werk bleibt stets verständlich, ruhig und handwerklich präzise. Gerade diese Zurückhaltung macht einen wesentlichen Teil ihres künstlerischen Reizes aus.

Ritta Boemm wirkte in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche, erlebte Kaiserreich, Ersten Weltkrieg, Weimarer Republik und den Beginn des Nationalsozialismus. Trotz dieser Umstände blieb ihr Werk überwiegend auf den privaten, stillen Bereich konzentriert. Sie starb 1948, wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Heute wird Ritta Boemm vor allem als typische Vertreterin der stillen, qualitätsvollen Kunstproduktion von Künstlerinnen ihrer Zeit wahrgenommen. Ihr Werk dokumentiert nicht nur ein hohes Maß an malerischer Könnerschaft, sondern auch einen sensiblen Blick auf Natur, Mensch und Wohnkultur. Gerade in der ruhigen Konzentration auf Blumen, Porträts und Interieurs liegt die besondere Stärke ihres Œuvres, das sich bewusst von lauter Modernität absetzt und dadurch eine zeitlose Qualität bewahrt.